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Interview mit Simon Glocker: Inhaber der Albkorn Bäckerei Konditorei Glocker

Die Bäckerei Glocker ist ein Familienbetrieb in der 3. Generation und beschäftigt heute rund 100 Mitarbeiter in insgesamt 4 Filialen im Umkreis von Münsingen. Seit Jahren steht die Bäckerei für gute Qualität und präsentiert sich kreativ in den Sozialen Medien. Zum jetzigen Zeitpunkt hat das Unternehmen über 4.800 Follower auf Instagram, was für eine Bäckerei auf der schwäbischen Alb sehr außergewöhnlich ist. Inhaber der Bäckerei ist Simon Glocker.


Wer ist Simon Glocker, wie hat er die familiäre Bäckerei geprägt und welche Rolle hat Social Media dabei gespielt? All diese Fragen und noch viele mehr konnten wir Simon in seinem Café in Gomadingen in einem lockeren Gespräch stellen.


Simon Glocker bei der Arbeit in seiner Bäckerei
Simon Glocker bei der Arbeit als Bäcker

Wer ist Simon Glocker?

Ich habe meine Bäckerausbildung im Betrieb meiner Eltern gemacht, was man ja prinzipiell im Handwerk eigentlich nicht machen sollte. In einem anderen Handwerksbetrieb bekommt man immer mehr mit. Im Familienbetrieb ist man immer auch der Sohn des Chefs.


Ich habe auf jeden Fall die Ausbildung zu Hause gemacht und habe im Anschluss dann auch eine Bankkaufmannausbildung gemacht in Metzingen und habe 5 Jahre bei einer großen Bank gearbeitet. In der Zeit ist mir dann aber klar geworden, dass das nicht das ist, was ich machen möchte. Ich muss das Handwerk spüren und sehen, was ich mache und hab das geschätzt, was ich davor hatte als Bäcker.


Ich bin dann noch ein Jahr in eine andere Bäckerei nach Ludwigsburg und habe dort gewohnt und das tat mir sehr gut, um anderen Input zu bekommen. Zwischendurch kamen dann noch die Meisterschule und der Betriebswirt fürs Handwerk und in dieser Zeit ist in mir gewachsen, dass ich es jetzt zu Hause anpacken will. Gerade in der Meisterzeit mit vielen Kollegen um einen herum reift in einem dann die Idee, wie man es zu Hause angehen will und was man umsetzen möchte, und zwar so, dass es zukunftsorientiert ist.


Ich würde mich selbst als sehr heimatverbunden betiteln und auch, dass ich versuche die Tradition aufrechtzuerhalten, gepaart mit etwas moderneren Ansätzen. Ich möchte versuchen die Tradition auch der jüngeren Generation schmackhaft zu machen. Sodass es nicht nur das klassische Mischbrot im Regal gibt, dass wir seit Ewigkeiten anbieten, sondern auch neue und modernere Produkte, wie beispielsweise eine Currywurst im Brötchenteller oder zum Mittagessen eine geröstete Brotscheibe mit Avocado und Spiegelei drauf. Um etwas mit Brot zu machen und das Handwerk auszuleben, aber das dann hip nach außen zu transportieren. Ich bin natürlich stolz darauf mit meiner ganzen Familie dahinter zu stehen, möchte den Betrieb aber dennoch modernisieren, beispielsweise durch den Einsatz von Social Media.


Simon Glocker sitzt in einer Talkshow und unterhält sich mit der Moderatorin
Simon Glocker als Gast in der Talkshow "SWR Nachtcafé"

Welcher Spruch prägt deine Arbeit?

Mich prägt rein praktisch ein Spruch und zwar, dass die Zukunft des Brotes in dessen Vergangenheit liegt. Viele Bäcker orientieren sich in letzter Zeit immer mehr in die Richtung, dass sie fast schon Gastronomen sein möchten, also auch Gerichte wie Schnitzel mit Pommes und ähnliches anbieten wollen. Dabei haben sie die Sache, die sie eigentlich richtig gut können, nämlich das Backen, etwas aus den Augen verloren. Dazu gehört auch das Umsteigen auf Convenience Produkte, um noch wirtschaftlicher zu sein.


Meiner Meinung nach, und das hat auch die Corona Zeit gezeigt, sind unsere A-Produkte, wie beispielsweise ein gutes Brot oder eine gute Brezel, das Allerwichtigste. Die Qualität wird sich immer nachhaltig durchsetzen. Daher steht der eben genannte Spruch dafür, mit wenigen hochqualitativen Produkten und Rohstoffen aus der Region einfach gutes Brot zu machen. Also Tradition, allerdings gepaart mit Social Media, Öffentlichkeitsarbeit und viel Kommunikation und auch Dinge wie beispielsweise die Backkurse, die ich anbiete, um Vertrauen zu schaffen. In dem Spruch steckt ganz viel und ich finde, dass da ganz viel Wahres dran ist.


Wie hast du die familiäre Bäckerei geprägt?

Wo fange ich da an? Ich habe am Anfang nach meiner Meisterzeit gefühlt hunderttausend Dinge im Kopf gehabt. Manche Dinge habe ich von heute auf Morgen übers Bein brechen wollen und habe am liebsten alle Dinge auf einmal machen wollen. Bestes Beispiel dafür war, dass ich neue Tüten für die Backwaren gestaltet habe, mit neuen Materialen. Ich habe eine Homepage ins Leben gerufen und habe mir dabei auch eine Agentur zur Hilfe genommen und habe allgemein, damals war noch Facebook das aktuellere, mehr mit Social Media gearbeitet und dann auch das Handy mit in die Backstube genommen, was so damals nicht üblich war. Am Anfang war das für die Generation vor mir also zum Beispiel für meinen Vater völlig verrückt, dass ich bei der Arbeit ein Handy dabeihabe, quasi so auf die Art und Weise: „Schaff du lieber mal was, bevor du hier irgendwelche Videos und Fotos machst“. Ja und natürlich wollte ich eigentlich schon immer auch so einen Flagshipstore für mich haben. So ein Projekt, bei dem der Ort, an dem wir die Waren verkaufen auch der Qualität der Waren gerecht wird.


Wir hatten damals einen ordentlich laufenden Bäckereibetrieb und eigentlich auch schon immer ordentliche Qualität, aber ich wollte einfach einen Laden, der diese Qualität auch äußerlich widerspiegelt. Die Dinge habe ich alle angepackt. Auch Dinge wie Kartenzahlung habe ich etabliert. Das war damals ein Riesenakt und zum Teil konnten sich das auch viele noch nicht vorstellen, dass in Zukunft alle mit Karte zahlen. Mein Ziel war es alles zu modernisieren und dem Kunden, der vorbeikommt, das Gefühl zu geben, dass es morgen nicht vorbei ist und ich hatte natürlich auch den Ansatz neue Produkte mitreinzubringen. Dann gabs halt auf einmal ein Curry-Kurkuma Baguette, das komplett gelb ist. Wichtig war mir bei dem ganzen Prozess allerdings nie die Tradition außer Acht zu lassen. Eine gute Brezel und ein gutes Brot müssen immer bestehen bleiben.


Der größte Schritt für uns, um moderner dazustehen, war natürlich hier das Café in Gomadingen. Wir hatten früher 6 Mitarbeiter und jetzt sind’s halt hier allein im Café 30 Mitarbeiter und insgesamt 90-100 Mitarbeiter.


Wie sieht die Zukunft deines Unternehmens aus?

Wichtig ist für mich erstmal weiterhin ein guter Arbeitgeber zu sein. In Form von: Wie verhalten wir uns gegenüber unseren Mitarbeitern, aber auch Themen wie Energie spielen eine wichtige Rolle. Bei uns kommt auf die Produktionshalle jetzt auch Photovoltaik, um noch effizienter zu werden, um den Preissteigerungen standhalten zu können und um noch mehr Kunden zu erreichen, ohne noch mehr wachsen zu müssen.


Ich will in Zukunft nicht 15 Filialen haben, das ist nicht mein Anspruch. Ich will noch strukturierter und noch digitalisierter arbeiten können mit 5 Standorten. Im Allgemeinen möchte ich noch effizienter werden und in Zukunft vielleicht dann irgendwann auch einmal mit künstlicher Intelligenz zu kalkulieren, was ich am nächsten Tag für Backwaren brauche. Ich werde versuchen vergleichsweise klein zu bleiben, aber das dafür perfekt strukturiert, um extrem effizient zu sein.


Sind die Sozialen Medien und dein persönlicher Auftritt auf diesen ein Schlüssel zu deinem Erfolg?

Die Community auf den Sozialen Medien ist bei uns in den letzten Jahren sehr stark gewachsen und es kommen immer öfter Kommentare von Menschen, die sich darüber freuen, dass wir so viel zeigen und berichten. Die Leute finden es auch cool, dass ich sie nach ihrer Meinung bei bestimmten Themen frage und mitentschieden lasse. Da wird eine gewisse persönliche Beziehung zu mir aufgebaut. Klar wird es immer Leute geben, die sagen, dass der junge Glocker nicht mehr alle Tassen im Schrank hat, aber das ist glaube ich in vielen Bereichen so. Aber wann sieht man denn schon einen Bäcker? Ich kann durch die Plattform so viel kommunizieren und auch mich können Leute Dinge fragen und ich mache mich dadurch sehr nahbar. Mir geht das bei manchen Influencern auch so, dass man das Gefühl hat, dass man die kennt. So extrem ist das bei mir wahrscheinlich nicht, weil ich auch ein bisschen vorsichtig sein muss, weil ja nicht nur ausschließlich ich die Bäckerei Glocker bin, sondern meine ganze Familie. Ich finde das aber trotzdem wichtig und das wird mittlerweile ein wichtiger Teil des ganzen Erfolgs sein.




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