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Interview mit Tim Wetzel: Geschäftsführer des Hotel-Restaurant "Schwanen" in Metzingen

Aktualisiert: 13. Okt. 2022

Das Hotel & Restaurant "Schwanen" in Metzingen ist ein familiengeführter Betrieb in der 3. Generation und beschäftigt heute etwa 120 Mitarbeiter. Geschäftsführer des "Schwanen" ist Tim Wetzel.


Wer ist Tim Wetzel, wie sieht die Zukunft des "Schwanen" aus und welche Rolle spielen die Sozialen Medien, gerade in Zeiten der Personalnot in der Gastronomie, für den "Schwanen"? All diese Fragen konnten wir Tim Wetzel in einem lockerem Gespräch im Schwanen in Metzingen stellen.

Bild auf dem der Geschäftsführer des Schwanen und Teo Simeonov zu sehen sind.
Tim Wetzel (Schwanen) und Teo Simenonov (Ace25)

Wer ist Tim Wetzel? Der Gastronom und Hotelier der Stadt Metzingen?

Der Gastronom der Stadt würde ich definitiv nicht sagen. Es ist nicht so, dass ich hier das große Rad drehe, sondern das ist eher eine Infrastruktur. Ich habe Hotellerie gelernt, nicht Gastronomie.


Ich würde mich aber auch nicht als der Hotelier der Stadt Metzingen beschreiben. Ich habe mich sehr früh für den Beruf entschieden, da ich mir etwas anderes nicht vorstellen konnte. Ich kenne die Arbeit hier schon seit meiner Kindheit und finde, dass die Gastronomie und Hotellerie sehr ehrlich sind. Man poliert Besteck, man kauft ein Schweineschnitzel, bereitet das zu, stellt das einem in einem gewissen Ambiente hin und verlangt Geld dafür. Ich habe nie in Frage gestellt, dass ich diese Ausbildung machen möchte. Die Ausbildung in unserer Branche ist meines Erachtens eine gute Basis für jeden anderen Beruf. Hier kann man richtig lernen, was Dienstleistung bedeutet, was es ist für Kollegen da zu sein oder was ein zackiger Schritt und schnelles Arbeiten ist.


Ich hatte eine sehr lässige Ausbildung in München in einem großen Hotel. Lässig deswegen, weil das Hotel sehr groß war. Wir waren viele Azubis und das war auf der einen Seite sehr vielseitig und interessant. Auf der anderen Seite war die Qualität der Ausbildung allerdings eher gering, weil man so viele Stationen durchlaufen hat, insgesamt 30 Abteilungen in drei Jahren.


Nach der Ausbildung war ich dann in verschiedenen 5 Sterne Betrieben in München. Das war mein Anspruch. Die ersten drei Monate im neuen Job wurde ich dann mächtig durch den Wolf gedreht. Damals gab es Sprüche wie: „Wetzel, wenn du keine Lust hast, vor der Tür stehen 20 Leute, die deinen Job wollen, du kannst einfach gehen“. Das hat mich damals schon angetrieben, da wurde man nicht in Watte gepackt. Der Druck hat mir gutgetan.


Ich bin hier im Schwanen im Jahr 2008, mitten in der Wirtschaftskrise, eingestiegen. Als damals alles in den Keller ging war ich in einem Hotel in Asien beschäftigt und hatte dort einen befristeten Vertrag, der aufgrund der Wirtschaftskrise nicht verlängert wurde. Das war zwar im ersten Moment nicht schön, ich habe mich aber dennoch darüber gefreut, da ich hierdurch die Möglichkeit hatte wieder nach Hause zu kommen, um meine Freunde und Familie zu sehen, um von zu Hause aus Bewerbungen zu schreiben. Ich habe dann angefangen hier im Schwanen nebenbei zu jobben, um Geld zu verdienen. Am Anfang an der Rezeption ohne jeglichen Hintergedanken. Letztendlich bin ich in das Unternehmen reingerutscht, bis ich dann 2011, auch mit in die Geschäftsführung eingestiegen bin.


Welcher Spruch prägt deine Arbeit?

Es gibt viele Sprüche, die prägend sind, finde ich. Einige wurden einem in der Ausbildung so bisschen gehirnwäschemäßig eingehämmert, das sind so Sprüche wie: „Es gibt nichts Gutes außer man tut es“. Da ist trotzdem viel Wahrheit drin.


Mein Lieblingsspruch in den letzten Jahren ist „Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied“. Man kann sich viel beschweren und viel machen, aber letztlich liegt es immer an einem selbst die Dinge anzupacken oder zu ändern. Meckern kann man immer viel, aber jeder hat selbst in der Hand, was man daraus macht und das trifft auf alles zu.


Wie hat die Geschichte vom Schwanen in Metzingen begonnen?

Mein Großvater hat damals zusammen mit meiner Großmutter im Jahr 1954 das Hotel gekauft. Damals war das noch ein Gasthof und sehr Gastronomie orientiert. Es wuchs dann immer mehr und wir hatten dann nach einiger Zeit insgesamt 5 Hotelzimmer, die damals noch als Fremdenzimmer bezeichnet wurden. Meine Großeltern und Eltern hatten das große unternehmerische Glück, dass man das Nachbarhaus vom Schwanen fast chronologisch richtig erwerben und an das Hotel anbauen konnte. Dadurch konnte das Hotel in der Stadtmitte wachsen. Meine Eltern haben das Hotel 1981 übernommen. Mit dem Betrieb haben sich dann auch meine Eltern weiterentwickelt, sodass alles immer größer werden konnte. Das persönliche Risiko, durch den Umbau des Betriebs, hat dafür gesorgt, dass Umsatz machen der größte Ansporn meiner Eltern war. Jede Ecke im Haus wurde so umgebaut, dass sie Umsatz bringt. Grund dafür waren hohe Verbindlichkeiten gegenüber der Bank. Man hat viel investiert und war wirklich unter höchstem Druck irgendwie so viel Geld wie möglich zu verdienen, um der Bank ihr Geld zurückzuzahlen. Das Wachstum war dennoch gesund.


Damals gab es etwa 12 Mitarbeiter und heute sind wir mit Aushilfen über 120 Mitarbeiter hier im Schwanen. Es ist ein echt großer Laden geworden.


Was sind die Zukunftspläne für das Unternehmen?

Wir haben uns in der Vergangenheit gegen den Aufbau neuer Gästezimmer entscheiden und stattdessen einen neuen Tagungsraum aufgebaut. In der Stadt Metzingen ist der Bau vieler neuer Hotels geplant, obwohl selbst unsere Zimmer nicht jeden Tag voll ausgebucht sind. Da wird starkes Wachstum forciert. Deshalb versuchen wir uns mit Konferenzen einen eigenen Markt für Übernachtungsgäste zu schaffen. Durch unseren großartigen Tagungsraum schaffen wir es die ersten 15-20% Auslastung durch einen eigens generierten Markt zu kreieren.


Wir sind durch unser Grundstück eingeschränkt, das heißt bauliches Wachstum wird in Zukunft nicht möglich sein. Es geht jetzt eher wieder darum, Umsatz zu machen und jede Ecke hier zu nutzen. Die Verbindlichkeiten sind mittlerweile gesunken. Viel wichtiger ist es uns heutzutage, dass wir es schaffen die guten Leute bei uns im Haus zu behalten, indem man ein guter Arbeitgeber ist. Das Ziel ist es, dass die wenigen Leute, die noch immer in der Gastro arbeiten, zumindest gerne im Schwanen arbeiten wollen. Wie geht der Spruch? Gäste sind leichter zu beschaffen als gute Kellner, stand irgendwo.


Welchen Stellenwert haben die Sozialen Medien für den Schwanen?

Die Sozialen Medien sind die Präsentation nach außen hin geworden. Welche Plattform ist jetzt mal dahingestellt. Für die eine Zielgruppe ist es Facebook, für die andere TikTok und für alle anderen Instagram, aber auch die Website. Social Media und Webpräsenz sind das absolute A und O. Ich zum Beispiel nehme auch mein Handy raus, um mir die Präsenz der Läden von anderen Städten anzuschauen, wenn ich unterwegs bin. Dadurch treffe ich die Entscheidung, ob ich dort essen gehe oder nicht.


Gleichermaßen sind die Sozialen Medien auch zum Aufbauen einer Arbeitgebermarke wichtig. Die Dinge, die wir auf den Sozialen Medien machen, haben das universale Ziel, dass man uns cool findet und gerne zu uns kommt. So sollen potenzielle Mitarbeiter unseren Auftritt in den Sozialen Medien sehen und daraufhin eventuell sogar eine Bewerbung schreiben, da wir ein cooles und arbeitgeberfreundliches Unternehmen sind.


Im Prinzip machen wir keine direkte Werbung und werben in den Sozialen Medien mit Rabatten oder ähnlichem. Wir versuchen eher Traffic und Reichweite zu bekommen, um immer wieder im Bild zu sein. Wenn wir beispielsweise eine Hochzeit im Haus planen, muss diese für das Hochzeitspaar inzwischen auch oft so ausgelegt sein, dass sie auch auf Instagram gut aussieht. Da geht es dem Hochzeitspaar zum Teil auch nicht mehr um Geschmack, sondern darum wie das Ganze aussieht. Deswegen hat das ganze Thema einen sehr hohen Stellenwert für uns.


Sind die Sozialen Medien der Lebensretter in Zeiten der Personalnot in der Gastronomie?

Es vereinfacht manche Sachen in der Personalfindung. Ich denke schon, dass die Sozialen Medien da sehr wichtig sind. Aber den Erfolg von spezifischen Marketingwerkzeugen zu messen ist sehr schwer, sodass sich nicht bestimmen lässt, weshalb die Person sich jetzt beworben hat. Vieles kommt auch noch über die Branchenjobportale rein. Natürlich kann man durch Social Media Werbeanzeigen die Dinge richtig pushen und beschleunigen. Selbst mein Bekanntenkreis sieht die Werbeanzeigen von uns. Meiner Meinung nach haben Anzeigen in Zeitungen allerdings nur noch eine kleine Berechtigung, aber auch da gibt es einen Markt für. Es stellt sich immer die Frage was für eine Position ich suche und wie ich diese spezifische Position bewerbe. Azubis suche ich beispielsweise anders als ein Zimmermädchen.

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