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Interview mit Heiner Beck: Gründer & Geschäftsführer von BeckaBeck

Aktualisiert: 9. Aug. 2023

BeckaBeck ist die wohl größte Bäckerei der Schwäbischen Alb. Heiner Beck ist der Gründer des Unternehmens und wurde im Jahr 2021 zum Bäcker des Jahres ausgezeichnet.


Doch wer ist Heiner Beck, wie konnte er BeckaBeck so großziehen und für wie wichtig hält er Social Media? All diese Fragen durfte die Ace25 Marketingagentur aus Münsingen Heiner Beck in einem exklusiven Interview in Römerstein stellen.

Heiner Beck von BeckaBeck mit der Ace25 Marketingagentur in Römerstein
Sebastian Ruopp, Heiner Beck und Teo Simeonov


Welcher Spruch prägt deine Arbeit?

Es gibt viele Sprüche, die mich inspirieren. Zum Beispiel: A: "Ein Geschäft ist nur ein Geschäft, wenn es für beide Seiten ein Geschäft ist." B: "Man möchte Spuren hinterlassen."


Außerdem haben wir in der Firma fünf Leitsätze, nach denen wir uns richten. Besonders wichtig ist mir in der Firma außerdem der Spruch: "Führen mit Herz". Hier im Unternehmen gibt es nicht so viele Hierarchien. Ein normaler Mitarbeiter arbeitet hier 40 Stunden in der Woche. Unsere Filialen hingegen haben 70-80 Stunden die Woche geöffnet. Daher gibt es bei uns keine Filialleiter, sondern alle Mitarbeiter müssen gleichermaßen kompetent sein. Unser Ziel ist, dass sich jeder hier wohlfühlt, seine Stärken ausleben kann und dass wir die Stärken der Mitarbeiter fördern.


Wer ist Heinrich Beck und wie war dein Werdegang?

Das müsst ihr am besten die Leute fragen, die jeden Tag mit mir zu tun haben. Letztendlich war ich ein ganz klassischer Hauptschüler. Ich wollte in meiner Jugend alles tun, außer lernen – vor allem Handball spielen und Sport machen. Ich habe dann in Kirchheim Bäcker gelernt, in Esslingen Konditor und bin dann in die Fremde gegangen. Heutzutage ist Kirchheim nicht mehr weit weg, man kann sogar mal nur so zum Eis essen hinfahren. Früher war das wie eine Weltreise mit dutzenden Busumstiegen, und man war immer rund 1,5 Stunden unterwegs. Später war ich auch im Allgäu, auf Sylt und in der Schweiz unterwegs. All das hat mich stark geprägt.


1991 habe ich dann den Betrieb meines Vaters in Bad Urach übernommen, da war ich 28. Eigentlich wollte ich ihn schon früher übernehmen, aber mein Vater hat mich immer auf das nächste Jahr vertröstet. Die Übernahme des Betriebs war für mich ein prägender Moment, und es war mir wichtig, es aus eigener Kraft zu schaffen. Mein Vater schloss seinen Laden am 05. Januar, und am 06. Januar eröffnete ich meinen eigenen Laden. In der Nacht zuvor habe ich mit meinen Freunden den halben Laden renoviert. Zu dem Zeitpunkt hatte ich 1 Million D-Mark Schulden, und ich sagte mir, dass ich jetzt richtig anpacken muss. Das hat auch funktioniert.


Irgendwann hatte ich das Ziel, eine große Bäckerhalle zu besitzen. 1995 begann ich, die Halle zu planen, und 1998 sind wir dann hier nach Römerstein in die fertige Halle gezogen. Ziele zu haben war mir immer sehr wichtig. Nachdem ich mein Ziel mit der Halle erreicht hatte, fühlte ich mich eine Zeit lang etwas verloren, und mein Betrieb geriet ins Schwanken. Es fühlte sich an, als ob mir jemand den Stecker gezogen hätte. Nur indem ich wieder neue Ziele definierte, kam ich wieder in die Spur. Diese Ziele verfolge ich bis heute.


Wie hast du es geschafft, dass BeckaBeck so groß wurde?

Im Bäckerhandwerk braucht man grundsätzlich eine gewisse Größe, um erfolgreich zu sein. Bei uns war es so: Ich habe immer darauf geachtet, dass die Qualität stimmt und wir eine außergewöhnliche und besondere Qualität bieten. Zudem konnte ich immer gut mit Zahlen umgehen und rechnen. Je mehr wir produzieren, desto wirtschaftlicher werden unsere Prozesse. Nur mit ausreichender Menge kann das funktionieren. Das habe ich früh erkannt. BeckaBeck hat derzeit 20 Filialen. Eine solchen Unternehmensgröße lässt sich nur stemmen, wenn man die Zahlen im Kopf hat.


Wie nutzt BeckaBeck die Sozialen Medien und wie wichtig sind diese für das Unternehmen?

Wir sind sehr aktiv in den Sozialen Medien und haben außerdem einen Onlineshop. Als ich damals den Online-Shop einrichtete, wurde ich dafür ausgelacht. Heute läuft er super, vor allem während der Corona-Zeit hat er unser Weihnachtsgeschäft gerettet. Teilweise verschickten wir bis zu 1200 Pakete pro Tag, einige davon sogar bis nach Japan. Mir ist es außerdem wichtig, dass unsere Website immer auf dem neuesten Stand ist. Wir haben sie bereits viermal komplett erneuert.


Die Betreuung der sozialen Medien übernimmt meine Frau. Außerdem haben wir eine Genusstüftlerin, die immer wieder auf den sozialen Medien präsent ist. Dort zeigen wir, was man alles aus unseren Backwaren machen kann, zum Beispiel aus altem Brot oder anderen übrig gebliebenen Backwaren. Nachhaltigkeit ist uns sehr wichtig. Ich bin auf Social Media kaum zu sehen, und muss immer wieder meine Töchter fragen, wie das alles funktioniert. Mittlerweile hole ich mir sogar selbst Ideen von Instagram. Aus meiner Sicht war Social Media früher ein Luxus, heute ist es jedoch Pflicht. Man darf es aber auch nicht übertreiben. Wenn wir etwas veröffentlichen, muss es gut sein.


Wie sieht die Zukunft des Unternehmens aus?

BeckaBeck ist derzeit sehr gut aufgestellt. Ich habe drei Töchter, die ins Unternehmen kommen. Wir haben das Luxusproblem, sie nun alle ins Unternehmen zu integrieren. Mein Schwiegersohn, der auch schon im Unternehmen ist, ist Bäckermeister. Ich muss sie jetzt auf die Selbstständigkeit vorbereiten und Verantwortung übergeben.


BeckaBeck wird nicht weiter wachsen. Wachstum ist nicht unser Ziel. Wir möchten das, was wir haben, halten, wertschätzen und pflegen. Ich sehe die Chance nicht im Wachstum, sondern darin, das Bestehende zu bewahren. BeckaBeck wird nie 40-50 Filialen haben. Wir müssen uns nach dem Markt orientieren. Dieses Jahr mussten wir beispielsweise meine Stammfiliale in Urach schließen. Das fiel mir sehr schwer, denn es waren die Wurzeln von BeckaBeck. Doch der Markt gab uns keine andere Möglichkeit, als die Filiale zu schließen. Urach ist leider maustot in der Innenstadt.



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